Vom 4. bis 20.Juli 2008 beging die Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, die von 1952 bis 1994 sogar Kreisstadt war, mit einem großen Historischen Festumzug und einer ganzen Reihe von weiteren Veranstaltungen in dem zuvor genannten Zeitraum das 775-Jährige Bestehen des Stadtteiles Ribnitz und das 750-Jährige Bestehen des Stadtteiles Damgarten. 1950 wurden beide Stadtteile zur Doppelstadt vereinigt.
Das Jubiläum war ein besonderes Ereignis für Gäste aus nah und fern
Alleine der Historische Festumzug am 12.Juli 2008, in dem die Geschichte der Stadt in diversen Schaubildern dargestellt wurde, gestaltete sich nicht zuletzt durch die aktive Mitwirkung vieler Bürgerinnen und Bürger nicht nur für die etwa 20.000 Einwohner der Stadt und ihrer umliegenden Ortsteile, sondern ebenso für die vielen Gäste aus dem In- und Ausland, die unsere Region Jahr für Jahr besuchen und auch künftig besuchen werden, zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die Recknitz - Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Pommern
Übrigens die Recknitz, die sich zwischen Ribnitz und Damgarten hindurchschlängelt und in den Bodden mündet, war früher der Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Pommern.
Heute ist der idyllische Wasserlauf, in dem sich sogar Hechte und Karpfen tummeln, ein Angelparadies und bietet Möglichkeiten für Kanufahrten.
Herausragend gelang es, den Festumzug sowohl optisch sehr ansprechend als auch zugleich sehr originell und mit einer großen Themenvielfalt zu gestalten.
Allerding erforderte dies nicht nur enorme Kreativität von den aktiv Beteiligten, sondern war auch eine Kostenfrage. Doch insbesondere dank der finanziellen Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren, die ein Herz für die Jubiläumsstadt hatten, konnte schließlich alles bravourös gemeistert werden.
Fürst Heinrich Borwin I. errichtete an der Recknitzmündung eine Burganlage
Die Gründung von Ribnitz zum Beispiel soll auf das Wirken des Fürsten Heinrich Borwin I., Sohn des Obotritenfürsten Pribislaw, zurückzuführen sein, der sich gegenüber der Pommern-Seite der Recknitzmündung Anfang des 13. Jahrhunderts einen Burghof als Festung errichten ließ.
Nicht auszuschließen bzw. sogar sehr wahrscheinlich ist, dass sich diese slawische Burganlage oder eine weitere bis etwa 2 km vom heutigen Ribnitzer Stadtrand in westliche Richtung erstreckt haben könnte und Namensgeber für den zu Ribnitz-Damgarten gehörenden Ortsteil Borg, abgeleitet von Burg, wurde? Wenn dies so gewesen sein sollte, wofür einige Hinweise in historischen Dokumenten sprechen, wäre auch der Ort Borg mit etwa 100 Einwohnern und 25 Häusern im Jahre 1233 gegründet worden.
Steinerne Zeugen dieser längst vergangenen Zeit sind heute das unter Denkmalschutz stehende Rostocker Tor und Teile der Stadtmauer. Das einzig erhalten gebliebene und zugleich restaurierte Rostocker Tor ist eins von ursprünglich fünf Türmen, das sich an der westlichen Seite des Zentrums des Stadtteiles Ribnitz unmittelbar am Wallgraben befindet, der mit Wasser aus dem Klosterbach gespeist wird und in die Ribnitzer See mündet.
Da die Menschen im Mittelalter besonders stark religiös gebunden waren, ließ man zu der Zeit in Ribnitz und Damgarten mehrere Kirchen errichten. Um 1260 wurde zunächst als slawische Kultstätte östlich der Recknitz, also in Damgarten, die St.-Bartholomäus-Kirche erbaut.
Von der etwa 3 Meter hohen mittelalterlichen Klostermauer, die ursprünglich sogar etwa zwei Kilometer lang gewesen sein soll, sind leider nur noch einige Meter im Bereich des ehemaligen Ribnitzer Klosters zu sehen.
Beteiligt an der Entwicklung von Ribnitz sein soll da auch noch der zu dem Geschlecht der Welfen gehörende Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern. Er stiftete etwa 100 Jahre nach der Stadtgründung 1324 das Klarissinnenkloster, das wahrscheinlich einzige seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern, in dem sich heute unmittelbar neben der im 14.Jahrhundert entstandenen Klosterkirche das Bernsteinmuseum befindet.
Aufgrund eines Hinweises von Herrn Sauer aus Ribnitz-Damgarten (vielen Dank dafür!), der sich intensiv mit der Geschichte von Ribnitz-Damgarten befasst, gelegentlich sogar Führungen durch die Bernsteinstadt organisiert und aufmerksam diese Jubiläumsseite las, soll es sich bei dem Stifter des Klarissinnenklosters nicht um den zuvor genannten Heinrich den Löwen (1129 - 1195) aus dem Geschlecht der Welfen handeln, da dieser bereits 1195 starb, sondern um Fürst Heinrich II. zu Mecklenburg, ebenfalls Heinrich der Löwe genannt. Dieser Heinrich der Löwe wiederum oder auch Fürst Heinrich II. zu Mecklenburg lebte bzw. soll von 1266 bis 1329 gelebt haben.
In Bezug auf die Lebzeit des Welfen-Herzogs, der am Ende des 12.Jahrhunderts starb, ist dies deshalb daraus auch abzuleiten. Bei so vielen löwenstarken und zugleich hochwohlgeborenen Adelsgeschlechtern kann eine solche Verwechslung, die wir bitten zu entschuldigen, sicher schon einmal passieren, zumal außerdem noch erschwerend hinzukommt, dass wir leider während unserer Schulzeit in der auf dem Foto abgelichteten ehemaligen Polytechnischen Oberschule "Gerhart Hauptmann", vermeintlich zugleich zum Verdruss unserer sehr engagierten Lehrer, häufig nicht aufpassten, es aber seitdem sehr bereuen.
Besonders gerne erinnern wir uns an unsere zu der Zeit als sehr mütterlich aufgetretene Lehrerin in der ersten Klasse 1958/1959, die Frau Krambeer hieß. Sie stand damals kurz vor ihrer Pensionierung. Frau Krambeer umsorgte stets alle Schülerinnen und Schüler sehr und nannte ihre Schützlinge immer liebevoll "meine Häschen". Dieses Schulgebäude, in dem wir von 1958 bis 1968 Unterricht hatten, soll bereits seit dem Jahre 1863 als erste Ribnitzer Stadtschule genutzt worden sein.
Was wäre damals wie heute die Welt ohne Frauen? In dem Kloster wirkten Äbtissinnen, die vor allem vom pommerschen und mecklenburgischen Adel entsandt wurden. Sie fühlten sich dem Klarissenorden verbunden, der wiederum auf der christlichen Lehre der heiligen Klara von Assisi (1193 - 1253) beruhte.
Insgesamt soll es im westeuropäischen Wirkungsraum des Klarissenordens von ihm nur 111 Klöster gegeben haben. Die Ribnitzer Stadtgründung steht insbesondere im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Slawen, die vor allem Fischfang betrieben. So soll Ribnitz von dem slawischen Wort "Rybanitz" abstammen, was übersetzt Fischerdorf bedeutet.
Damgarten entstand wahrscheinlich aus slawischem Wort "Eichenberg"
Damgarten soll sich hingegen aus den slawischen Wörtern für "Eichen" und "Wald", also Eichenwald, entwickelt haben. Die Wortentstehung könnte aber auch auf dem slawischen Wort "Dambnagora" basieren, womit dann ins Deutsche übertragen sinngemäß "Eichenberg" gemeint sein könnte? Von der Ähnlichkeit des Klanges beider Worte "Damgarten" und "Dambnagora" scheint jedoch eher Letzteres für die Wortdeutung zuzutreffen.
Egal, ob nun Eichenwald oder
Eichenberg. Vermutlich gab es dort zu der Zeit ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil von Eichen? Dieser heutige Stadtteil entstand 25 Jahre später. Er wurde von dem Obotritenfürsten Jaromar II. von Rügen gegründet.
Im Verlaufe der Geschichte wurden Ribnitz und Damgarten von Kriegen und verheerenden Bränden heimgesucht. So wirkte sich auch damals der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) durch Plünderungen und Brandschatzungen dramatisch für die heutige Doppelstadt aus. Ein sehr trauriges und düsteres Kapitel der jüngeren Geschichte für die Stadt und ihre Einwohner waren die Zeit der Naziherrschaft und der Zweite Weltkrieg.
Das Faserplattenwerk war zu DDR-Zeiten größter Arbeitgeber der Stadt
Zu DDR-Zeiten zählten das Faserplattenwerk, die Möbelwerke, der VEB Ostseeschmuck, die Lederwarenfabrik "riled", die Molkerei, der VEB Ribnitzer Polstermöbel, die PGH "Ernst Thälmann", die GPG "Seerose", die Konsumgenossenschaft, die GHG Waren täglicher Bedarf, das Kreiskrankenhaus und der Rat des Kreises zu den größten Arbeitgebern von Ribnitz-Damgarten und Umgebung.
Mit der Wende begannen gravierende Veränderungen. So mussten unter anderem das Faserplattenwerk mit über 1600 Beschäftigten und die Möbelwerke mit etwa 400 Beschäftigten, insbesondere infolge des unrühmlichen Wirkens der Treuhand, schliessen.
Es begannen aber auch positive Entwicklungen. So entstanden neu die Boddenkliniken in einem modernen Krankenhauskomplex. Das Finanzamt zog von Rostock, wo es sich zunächst kurz nach der Wende befand, in ein neu entstandenes Domizil nach Ribnitz-Damgarten.
Eigenheimsiedlungen "Am Tempeler Bach" und in der Lessingstraße in Damgarten sowie "Am Mühlenberg" und in der Richard-Suhr-Siedlung in Ribnitz wurden gebaut bzw. erweitert.
Darüber hinaus wurden umfangreiche Rekonstruktions- und Sanierungsarbeiten durchgeführt. So unter anderem an und in der Klosterkirche, an Gebäuden im Bereich des Klosterinnenhofes und des Klosterkomplexes einschliesslich des Ärztehauses Im Kloster 5.
Eine Schaumanufaktur für hochwertigen Gold-, Silber- und Bernsteinschmuck mit dem Firmensitz im Stadtteil Damgarten unmittelbar an der Bundesstraße 105 gibt es seit Juni 2000. Davor gab es das Unternehmen bereits seit 1947 im Körkwitzer Weg im Stadtteil Ribnitz zunächst bis zur Wende mit den Bezeichnungen VEB Fischlandschmuck und VEB Ostsee-Schmuck und danach noch an dem selben Standort als Ostsee-Schmuck GmbH.
Nach der Wende wurde in Ribnitz-Damgarten viel neu gebaut
Ebenso sind das Gebäude des Gymnasiums "Richard Wossidlo" genauso wie das Bildungszentrum mit modernen Ausbildungsräumen, sogar mit einem eigenen Lehrhotel, einer Lehrküche und einem Restaurant für die Ausbildung der Köche, Hotel- und Restaurantfachleute, im Stadtteil Damgarten nach der Wende erbaut worden.
Apropos Richard Wossidlo! Der Namensgeber des Gymnasiums, dessen altes Gebäude sich in der Nähe des Bahnhofs am Bauermeisterplatz in Ribnitz befindet, es wird zurzeit für andere Zwecke um- bzw. ausgebaut, lebte von 1859 bis 1939. Richard Wossidlo war zeitweise Lehrer am Gymnasium in Waren (Müritz) und vor allem ein berühmter Heimat- bzw. Volkskundler, der mit einer ganz besonderen Leidenschaft Volksweisheiten, Bräuche, Sagen, Märchen und Lieder sammelte, das Leben der einfachen Leute erforschte und vieles davon und dazu aufschrieb, so dass man es heute noch nachlesen kann.
Gemeinsam mit Hermann Teuchert schuf Richard Wossidlo in nieder- und hochdeutsch das zweisprachige Mecklenburgische Wörterbuch. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Alten Friedhof in Ribnitz-Damgarten. In der Nähe der Friedhofskapelle steht ein schlichter Grabstein inmitten von zwei Birken, einer Einfassung aus Natursteinen und schönen Blumen. In dem Ribnitz-Damgartener Ortsteil Körkwitz lebte sein Onkel, den er oft besuchte. Wohl deshalb befinden sich dort sowohl eine Linde als auch ein Gedenkstein, die an den "Volksprofessor", wie er liebe- und achtungsvoll genannt wurde, erinnern sollen.
Wenn man an den "Volksprofessor" Richard Wossidlo erinnert, darf man auch nicht den Heimatdichter Helmuth Schröder vergessen zu erwähnen. Er wurde am 2. April 1842 in dem in der Nähe von Parchim gelegenen Spornitz geboren, wohnte und lebte viele Jahre als Dorfschullehrer in Völkshagen und starb am 11. Dezember 1909 in Ribnitz, wo er noch wenige Monate vor seinem Tode von Völkshagen aus hinzog. Sein Grab befindet sich auch auf dem Alten Friedhof in Ribnitz. Der Grabstein trägt unter anderem folgende Inschrift in niederdeutscher Mundart: "Hier liggt un slöppt. Bet em sin Heiland röppt. Mit Swestern un mit Bröder. Wat starwlich weer van Helmuth Schröder."
Wer aktive Erholung und Entspannung in einer wunderschönen Wellness-Oase sucht, ist im Körkwitzer Weg in der Bodden-Therme Ribnitz-Damgarten genau richtig. Erst vor einigen Jahren erbaut und im November 2002 eröffnet, laden dort eine reizvolle Bade- und Saunalandschaft zum Verweilen und Wohlfühlen ein. Selbst an Besucher, die das Besondere lieben, ist gedacht worden, denn in regelmässigen Abständen kann man sich während einer Mitternachtssauna bei tropischer Wärme, wohltuenden Düften und exotischen Pflanzen wunderbar erholen und so auf angenehme Weise neue Kraft schöpfen.
Erst im Juli 2007 wurde nach seiner umfassenden Neugestaltung der Ribnitz-Damgartener Marktplatz und der darauf befindliche Bernsteinbrunnen übergeben. In dem visuell sehr ansprechenden Springbrunnen ist ein von dem Rostocker Künstler Thomas Jastram erschaffenes Bronze-Ensemble integriert, das mehrere Figuren aus dem Märchen der Gebrüder Grimm "De Fischer un sin Fru" darstellen soll.
In jüngster Zeit entstand auf dem Areal vor der Stadtkirche Sankt Marien, ein Backsteinbau aus dem 13.Jahrhundert, noch ein attraktives eingeschossiges Gebäude, in dem sich ein Café und Restaurant mit dem Namen "Paganini" sowie die Stadtinformation befinden.
Eckart Kreitlow
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